Es geht weiter :D
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Als sich der Bus nach den ersten Haltestellen
etwas geleert hatte, setzte sich Ren neben mich auf die Sitzbank, die ich
ergattert hatte. Er unternahm nicht mehr den Versuch, mit mir zu reden – er saß
einfach nur neben mir und sah müde aus. Nicht nur im physischen sondern auch im
psychischen Sinn. Er war wirklich müde. Allerdings wusste ich nicht, ob er es
müde war, allein zu sein, oder ob er es müde war, zu bereuen, was er getan
hatte, ohne es ändern zu können.
Im beiläufigen Plauderton stellte ich ihm diese
Frage, das Gesicht abgewandt und den linken Teil meines Kopfhörers leicht
verschoben, um ein Ohr frei zu haben. Ich hörte im Moment nicht einmal Musik –
aber das musste er ja nicht wissen.
Ich konnte ihn unterdrückt lachen hören, ein
trauriges Lachen allerdings.
„Wenn es mir nur darum ginge, nicht allein zu
sein, würde ich mich dann um dich bemühen?“
Ich nickte – ohne zu wissen, ob er mich überhaupt
ansah – und schwieg für den Rest der Fahrt.
Wie zwei, die zusammengehörten liefen wir die
letzten Meter zur Schule, bedrückende Stille zwischen uns.
Ich wusste, dass ich mit dem Feuer spielte. Aber
ich wollte nichts anderes tun. Warum sollte ich immer vernünftig sein? Ich
wollte nichts mehr, also warum hätte ich es nicht tun sollen?
„Bild dir ja nichts ein. Ich… seh dich dann.“,
sagte ich und drückte ihm einen Kuss auf die Wange, nur um ihn stehen zu
lassen, ich musste meinen Kurs im zweiten Stock finden.
Die Doppelstunde Deutsch nutzte ich dafür, Akira
alles zu erzählen. Verständlicherweise zog sie mir zunächst mit ihrem Lineal
eine über.
„Bist du eigentlich bescheuert?!“, fragte sie
entgeistert.
„Ich hab fast das Gefühl…“, antwortete ich
niedergeschlagen.
Die Schulklingel erlöste uns vom „Doppelten
Horror“ mit Frau Inkompetent, wie wir oft über die Deutschstunden und unsere
Lehrerin scherzten.
In der Aula erwartete uns schon ein gutgelaunter
Grünschopf.
„Tsu!“, freute sich Akira und warf sich ins
Tsubasas Umarmung.
„Hey.“ begrüßte auch ich ihn grinsend. „Na du
Muffel-für-soziale-Kontakte, was verschlägt dich denn in die Aula?“
„Das ist nicht fair“, lachte Tsubasa zurück, „hab
ich meine zwei Lieblingsmädchen jemals vernachlässigt?“ Dabei wuschelte er
Akira durchs Haar und zwinkerte ihr frech zu.
„Nein.“, ergriff diese natürlich sofort Partei.
„Aber ernsthaft – was gibt‘s?
Sein Grinsen wurde noch breiter und er hielt einen
Schlüsselbund hoch, an dem unverkennbar ein Autoschlüssel angebracht war. „Habt
ihr Ladies Lust, heute nicht mit dem Bus heimzufahren?“