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Nebel lag über dem
beschaulichen Dorf, das ich mein Heim nannte.
Genauso trüb war auch
meine Stimmung. Dass ich mich endgültig von Ren losgemacht hatte, änderte
nichts daran, dass ich mir bei diesem furchtbaren Wetter immernoch jemanden
wünschte, der mir schon morgens die halb eingefrorene Nasenspitze küsste und
mir die Hände wärmte… Nagut, nicht irgendjemand, sondern Ren.
Was läuft bei dir nur falsch?, schimpfte ich mich selbst. Er hat dir das Herz gebrochen, dich per SMS abserviert und du kannst
trotzdem morgens nur an… oh.
Während ich so meinen
Gedanken nachgehangen hatte, musste ich meine morgendliche Routine mehr oder
weniger unbewusst erledigt haben, denn ich stand inzwischen in Mantel, Schal
und Beanie im Hausinneren vor der Tür und hatte die Tür geöffnet – nur um in
Rens Gesicht zu sehen, der die Hand erhoben hatte und offensichtlich gerade
hatte anklopfen wollen. Die verstrubbelte Frisur, die Augenringe und die mehr
schlecht als recht zugeknöpfte Jacke hätten ihn eigentlich wie einen Idioten
aussehen lassen müssen. Nur blöd, dass Physik oder Mode keinen Einfluss auf
Rens Aussehen hatten – verdammt, er sah sogar noch besser aus als sonst! Und da
stand ich jetzt, Augen weit aufgerissen und meinen Mund zu einem perfekten O
verformt.
Er hatte meinen
sprachlosen Blick mal wieder genau richtig verstanden – ich war nicht
verwundert, dass er zu dieser Uhrzeit vor meinem Haus auftauchte, ich war
sprachlos, weil er schon wieder so eine Anziehungskraft auf mich ausübte – ein überhebliches
Glitzern blitzte in seinen Augen auf. Er war sich so sicher, dass er mich
wieder zurückbekommen würde.
Umso verdutzter war, als
ich aus dem Haus trat, die Tür zuzog und grinsend auf Akira zulief.
„Gibts ja gar nicht, du
bist direkt mal früh dran, du Trödlerin!“, sagte ich und umarmte sie.
„Ja da kannst dus mal
sehen!“, gab Akira lachend zurück, „Du hättest dein Gesicht sehen sollen!“
Eins musste man ihr
lassen: Akira war schnell von Begriff und auch wenn ihr die Fragen schon auf
der Seele brannten, spielte sie erst mal brav mit. Akira holte mich schon immer
sehr pünktlich ab, um zusammen zur Bushaltestelle zu laufen, aber das wusste
Ren ja nicht.
Aber ich hatte die
Rechnung nicht mit Ren gemacht. Er kam einfach von hinten (meinem Haus O_O) an
und hakte sich zwischen uns beiden unter.
„Ihr zwei seid so witzig
wie eh und je.“, grinste er gutgelaunt.
„Ren! Was soll der
Schwachsinn? Geh einfach weg.“, motzte ich ihn an.
„Warum so böse?“,
erwiderte er mit gerunzelter Stirn
„Soll das ein Witz sein?!“,
rief ich empört und beschleunigte meine Schritte, als würde es etwas bringen –
wir würden so oder so mit demselben Bus fahren.
Eine Hand hielt mich
zurück und ehe ich mich versah, hatte Ren mich einmal herumgewirbelt und ich
lag in seinen Armen – keine Chance, ihn nicht anzusehen.
„Es ist kein Witz. Akemi,
du kennst die Busverbindungen auf dem Land. Ich habe mich heute Morgen um 5:00
Uhr aus dem Haus geschlichen und bin mit einem Rufbus hierher gefahren. Nur, um dich heute zu
sehen, da du mir in der Schule immer aus dem Weg gehst oder dich mit so vielen
andren Leuten umgibst, dass ich kein Wort mit dir reden kann.“
Das erklärte die
Augenringe.
„Ach, und du meinst,
einmal früh aufstehen reicht und ich werf mich dir wieder an den Hals?“,
fauchte ich und besaß – Gott sei Dank – die Gegenwärtigkeit, mich aus seinen
Armen zu befreien und im Schlepptau von Akira die letzten Meter bis zur
Bushaltestelle zu gehen.
Nur, dass letztere mich
mit einem „Klär das endlich!“ dort allein stehen ließ und sich mit den anderen
vom frühen Aufstehen gepeinigten Schulgängern unterhielt.
„Akemi--“
„Spar dir den
Schwachsinn! Was hast du mir zu sagen? Es war alles nicht so gemeint, du hast
ganz zufällig per SMS mit mir Schluss gemacht und du kannst eigentlich nichts
dafür? Und da, bei den Chemieräumen, da warst du bestimmt auch nicht schuld, es
war einzig und allein das Mädchen, dass DICH geküsst hat, nicht du sie?“
Ich starrte ihn wütend
an, ich war zwar kleiner als er, aber es hatte trotzdem die gewünschte Wirkung.
Dachte ich zumindest, bis
er sich zu mir runter beugte und seine Lippen auf meine legte.
Ich konnte es
nicht fassen; ich hasste ihn in diesem Moment. Ich hasste ihn dafür, dass er
meinen Körper dazu brachte, sich an ihn zu schmiegen, dafür, dass er so
verdammt unwiderstehlich war, dafür, dass er im Kuss grinste und wusste, dass
er gewonnen hatte und dafür, dass ich erst nachdem wir uns wieder voneinander
gelöst hatten, in der Lage war, ihn wegzustoßen und ihm eine Backpfeife zu
verpassen, nur um in den Bus einzusteigen, der gerade passend vorfuhr, und ihn
zumindest durch ein paar weitere Menschen, die auch einstiegen, von mir zu
trennen.
WIESO MACHST DU MICH SO SÜCHTIG?! SCHREIB WEITER! SOFORT! xDD
AntwortenLöschen*liebt es*~
:D Ok okay ^^ ich bin dabei ;) ♥
AntwortenLöschenfind ich super~ <3
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